| Die Reharmonikalisierung der Orgel Die Rückkehr des Orgelbaues zu seinen geistigen Wurzeln, dem Lambdoma-Prinzip Einklang, Zusammenklang, eine den harmonikalen Gesetzen entsprechende übereinstimmung der Teile in einem gegliederten Ganzen war Grundlage für den Erfolg der Barockorgelbauer. Wie die großen Kirchenbaumeister verfügten sie über ein reiches harmonikales Sensorium und Wissen, das sie befähigte, herausragende Klangkörper zu entwerfen und zu konstruieren. Auf der Grundlage der harmonkalen Zahlenproportionen gelang Ihnen der Zusammenschluß von mannigfaltigen Pfeifenformen (Registern) zu einem einheitlichen und wohlgegliederten Ganzen, der Disposition, in der das Einzelne im Verhältnis zum Ganzen und den übrigen Teilen die ihm angemessene Stellung einnimmt. Die Vereinigung grundsätzlicher harmonikaler Erkenntnisse führte zu einem organischen Lehrgebäude, einer Doktrin, was eine Blütezeit des Orgelbaues auslöste. Mit dem aufkommenden Positivismus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geriet die harmonikale Schule mit ihrem Lambdoma-Prinzip in Vergessenheit. Die Situation des Orgelbaues in der Gegenwart ist bekannt. Eine weitgehende Stilfixierung mit zahlreichen Nachbauten und Kopien von Instrumenten des 17. und 19. Jahrhunderts, kennzeichnet die Lage. Mit einzelnen Ausnahmen ist damit die schöpferische Phase des Orgelbaues überwiegend beendet. Eine Reharmonikalisierung der Orgel ist erforderlich und möglich, um zu neuer Kreativität und Akzeptanz von kulturell interessierten Bevölkerungskreisen zu kommen. In dem im Jahre 1985 gegründeten und meiner Orgelbauwerkstatt in Neuendeich angeschlossenen Arbeitskreis Harmonikaler Orgelbau (AHO) werden die Erkenntnisse, die aus dieser Arbeit resultieren, direkt auf die Entwürfe (Architektur, Konstruktion, Mensuren, Klang) angewendet. Die Arbeit des Arbeitskreises konzentriert sich gegenwärtig auf die Lambdoma-Forschung. In den letzten Jahren ist diese Aufgabenstellung erleichtert worden durch das Internet. Besonders in Nordamerika ist die Lambdoma-Forschung an Instituten und Hochschulen verbreitet. Aber auch in Deutschland gibt es einen Arbeitskreis Harmonik im Freien Musikzentrum e.V. München, der von Peter Neubäcker sehr erfolgreich geleitet wird (www.Harmonik.de). |
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